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Geschichte von Leányfalu

Die Großgemeinde Leányfalu liegt 27 Kilometer nördlich von Budapest, am Fuße des Visegráder Gebirges, zwischen dem Vörös-kő und dem Nyerges Berg sowie der Donau. Seit 1949 ist sie eine eigenständige Siedlung, seit 1970 eine Großgemeinde. Sie ist ein bevorzugtes Erholungsgebiet, der älteste und beliebteste Ferienort im Donauknie, Teil des Duna-Ipoly Nationalparks. Ihre Fläche beträgt 15,4 km² (1537 ha), die Zahl ihrer ständigen Einwohner betrug 2017 3824 Personen, die Anzahl der Wohnungen 1153.

GPS-Koordinaten: 47.71607, 19.088, EOV-Koordinaten: 653043, 263586. Ihre Partnerstädte sind seit 2001 Penzing in Bayern und seit 2008 Bánffyhunyad in Siebenbürgen.

Die ersten Zeugnisse der Geschichte Leányfalus reichen bis in die Antike zurück. Infolge der Eroberungen des Römischen Reiches wurde das Gebiet des Dorfes ab 106 zum Einzugsgebiet von Aquincum, dem Hauptort einer neuen Provinz (Pannonia Inferior), und es entstanden kleinere Villenwirtschaften. Wichtige Elemente der später ausgebauten Verteidigungslinie des Reiches, des Limes, waren die Wachtürme. Auch im Bereich des Dorfzentrums stand einst ein Burgus. Seine Überreste – zusammen mit anderen Funden, die dem Komfort des gesellschaftlichen Lebens dienten – wurden bei Ausgrabungen im Jahr 1963 entdeckt. Der hier gefundene Wachturm wurde 373 während der Herrschaft von Kaiser Valentinian I. erbaut und war ein etwa 17x17m großes, zweistöckiges Gebäude, umgeben von einem Zaun und einem Graben. Die Stürme der Völkerwanderung zerstörten ihn im 5. Jahrhundert.

In der Zeit der Könige aus dem Hause Árpád wurde das heutige Gebiet der Großgemeinde besiedelt. Die erste schriftliche Erwähnung ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1407 erhalten, in der die Siedlung als Leanfalva aufgeführt wurde. Spätere Urkunden belegen, dass die Gegend im 15. Jahrhundert von der Familie Leanfalwai besessen wurde. Wahrscheinlich beendete die Eroberung Budas durch die Türken das Leben der mittelalterlichen Siedlung. Nach der Zeit der türkischen Herrschaft wird es im Besitz des Zólyomer Zweiges der Familie Esterházy unter dem Namen „Leányfalva puszta“ – bereits als zu Pócsmegyer gehörendes, hervorragendes Weinanbaugebiet – in einem Besitzverzeichnis erwähnt. Mitte des 19. Jahrhunderts ging das Donau-Grundstück als Mitgift an Graf Ágoston Breuner, ein Mitglied des Magnatenhauses, über, der es parzellieren und verkaufen ließ. Zu dieser Zeit befanden sich entlang der ehemaligen Visegráder Straße – der heutigen Móricz Zsigmond Straße – außer den Weinkellern der Bauern von Pócsmegyer nur ein herrschaftliches Weinhaus und eine Schenke, eine Poststation und ein Fähranleger.

Diese mit wunderbaren Naturschönheiten gesegnete Gegend wurde in den 1860er Jahren von der Budapester Künstlerwelt und dem Großbürgertum entdeckt. Schauspieler, Fabrikanten, Kaufleute und wohlhabende Mitglieder der Intelligenz ließen sich zuerst in Leányfalu nieder. Zu den „Landnehmern“ gehörten Ignácz Szendrey (Vater von Júlia Szendrey) und sein Schwiegersohn, Pál Gyulai, der bekannte Schriftsteller und Kritiker. Ihr Erscheinen initiierte die Etablierung des literarischen und künstlerischen Lebens in Leányfalu. 1892 wurde in der immer bevölkerungsreicher und schöner werdenden Siedlung aus Spenden der Gläubigen die St.-Anna-Kirche im neugotischen Stil nach den Plänen des Baumeisters Antal Hofhauser errichtet.

Eine bedeutende Veränderung in der Geschichte Leányfalus brachte die große Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts, die die bis dahin blühende Weinkultur zerstörte. Die Winzer von Pócsmegyer verkauften reihenweise ihre Presshäuser, und dies löste eine weitere „Siedlungswelle“ aus. Am Fuße der Weinberge entstanden in schneller Folge prächtige Villen und idyllische Sommerresidenzen, die aus ehemaligen einfachen Unterkünften umgebaut wurden. Die bewaldeten, parkähnlichen Hügel des Donauufers zwischen Szentendre und Tahi zogen die Künstler an. Immer mehr Mitglieder des Nationaltheaters und der Oper kauften hier Grundstücke und Sommerhäuser. Villenbesitzer in Leányfalu waren unter anderem Miklós Feleky, Kálmán Alszeghy, Aranka Hettyey, Miklós Radnai und Kálmán Rózsahegyi. Auf ihre Einladung hin – „Zsigám, komm her, das ist wie die Schweiz!“ – besuchte und ließ sich dann endgültig die herausragende Persönlichkeit der ungarischen Literatur, Zsigmond Móricz, hier nieder.

Ein Zeichen des stetigen Wachstums war die Eröffnung der Grundschule mit zwei Klassen im Jahr 1908. Die Siedlung war von einem lebhaften gesellschaftlichen Leben geprägt; ihre Bewohner gründeten nacheinander ihre kulturellen und gemeinnützigen Foren und Vereine. Am 30. Mai 1901 wurde das Leányfalusi Casinó gegründet, wenig später der Leányfalusi Társadalmi és Szépészeti Egylet (Leányfalu Gesellschafts- und Schönheitsverein), und dann der Leányfalusi Törzs (Leányfalu Stamm), dessen bis heute gültiges Motto lautet: „Heil der Donau!“. 1934 wurde auch ein Handwerkerkreis gegründet. Diesen zivilen Initiativen und ihren lokalpatriotisch gesinnten Mitgliedern ist die Gestaltung des Ferienortes zu verdanken, die Anpflanzung der heute so charakteristischen, Ruhe und zugleich Erhabenheit ausstrahlenden Alleen. Bei den von ihnen organisierten Wohltätigkeitsveranstaltungen mangelte es nie an bekannten Künstlern, Opernsängern und Schauspielern. Die Donau, die im Leben des Dorfes immer eine wichtige Rolle spielte, diente im Sommer als Schauplatz eines lebhaften Bade- und Sportlebens, und die Ankunft und Abfahrt der Flussdampfer waren Ereignisse von großer Bedeutung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Siedlung eine weitere große Umgestaltung. Aus den verstaatlichten Ferienhäusern und prächtigen Villen wurden fast dreißig Gewerkschafts- und Parteiferienheime eingerichtet, in denen im Sommer Tausende von Gästen verweilten. Als Regierungsferienheim bot das im idyllischen Ambiente gelegene, als Sorg-Villa bekannte Schloss im maurischen Stil und das dazugehörige riesige Anwesen der obersten Parteiführung Erholungsmöglichkeiten. Dank der in den 1960er Jahren begonnenen Erschließungs- und Parzellierungsmaßnahmen bauten die Hauptstädter Hunderte von Wochenendhäusern an den nach Osten ausgerichteten, aussichtsreichen Berghängen. Parallel dazu setzte sich die infrastrukturelle Entwicklung des Dorfes fort: Die Schule wurde erweitert, ein Kulturhaus, ein Freilichtkino, ein Campingplatz und viele Geschäfte wurden eingerichtet. 1972 empfing das Thermalbad, das 62 °C heißes Thermalwasser nutzt, seine ersten Gäste und gab dem Tourismus des Dorfes neuen Schwung.

Leányfalu wandten sich indessen auch die Künstler nicht ab. Während der Belagerung Budapests fanden Sándor Márai und Mária Szepes hier ein Zuhause, nach dem Krieg kauften Tibor Déry und Gyula Háy hier Häuser, und später ließen sich auch Ferenc Karinthy, Zoltán Fábián und Lehel Szeberényi hier nieder. In Leányfalu diente – über vierzig Jahre lang – als Pfarrer der Priesterdichter Sándor Katona Puszta; lange Jahre verbrachten hier der reformierte Bischof László Ravasz und sein Schwiegersohn, der Rechtsphilosoph und Politiker István Bibó.

Der Systemwechsel brachte eine weitere Wende in der Geschichte Leányfalus. Die 1990 gegründete Gemeinde sah als ihr wichtigstes Ziel den vollständigen Ausbau der kommunalen Infrastruktur an. Mitte der 90er Jahre machten ein Telefonnetz, ein Abwassersystem, Gasleitungen und ein Radweg das Leben komfortabler. 1999, zum fünfzigsten Jahrestag der Eigenständigkeit der Siedlung, gründete die Gemeinde ein Heimatmuseum; im Millenniumsjahr wurden Kindergarten und Schule erweitert bzw. erneuert, und Leányfalu wurde um eine Sporthalle und eine reformierte Kirche reicher. 2004 zogen das Bürgermeisteramt und die Gesundheitseinrichtungen in ein neues, gemeinsames Gebäude; 2007 wurde die László Ravasz Bibliothek eröffnet. Mit großen finanziellen Opfern wurde auch das Thermalbad im Besitz der Gemeinde erneuert. Mit seinen sechs Becken eignet es sich neben dem Baden auch für den Leistungssport, und sein wertvolles Heilwasser kann Linderung für Menschen mit Erkrankungen des Bewegungsapparates bringen. 2009 feierte Leányfalu den sechzigsten Jahrestag seiner Eigenständ